Arbeitsmarkt. Schöne neue Arbeitswelt.

Robert Schmidtke

Befristete Arbeitsverträge sind nichts Neues. Neu jedoch ist, dass die Zahl der Lehrkräfte, die sich in den großen Ferien arbeitslos melden, von Jahr zu Jahr sprunghaft ansteigen.

Grund dafür sind befristete Arbeitsverträge, die die Sommerferien von einer Bezahlung ausklammern. 2012 stieg die Zahl arbeitsloser Lehrer in Baden-Württemberg um 1400 Prozent.


Der ruinöse Wettbewerb in unseren Schulen nimmt groteske Formen an.


Wie denken Schüler über ihren Lehrer, wenn er ihnen sagen muss: „Freut Euch auf die schöne neue Arbeitswelt. Vielleicht geht es Euch auch bald so wie mir. Ab Ferienbeginn bin ich arbeitslos und ob wir uns im neuen Schuljahr wieder sehen, steht in den Sternen.“


Die Investitionen in Bildung stehen ganz oben auf den Agenden der etablierten Parteien. Sparen muss man allerdings auch. Und so spart man sich die Bildung mehr und mehr, in dem man talentierten Lehrern die Perspektive für ihr Leben raubt und die Schüler perspektivlos in die Ferien schickt. Hilflosigkeit in den Familien macht sich breit.


Der Mensch ist ja von Natur aus motiviert, etwas zu tun, etwas zu leisten. Was aber, wenn die Motivation darin besteht, mit Almosen einen besseren Unterricht garantieren zu müssen, damit wir einmal Pisa-Sieger werden. Sind wir einmal Pisa-Sieger, dann heißt das aber noch lange nicht, dass wir das letzte aus unseren Lehrern und Schülern herausgequetscht haben.


Da geht noch was. (Bundestagswahlwerbung der Grünen 2013)


Ja, da geht in der Tat noch was. Zum Beispiel beim ALG II. In den Jobcentern der ARGE arbeiten ebenfalls immer mehr Menschen mit Jahresverträgen. Sie sollen sich um die Zukunft der Hartz-IV-Empfänger kümmern. Finden Sie keine Anschlusstätigkeit, dann sind sie wenigstens ausreichend „gebildet“, wie sie selbst ihren Antrag auf Arbeitslosenhilfe richtig stellen und was man tun muss, um in den Genuss des 10-Euro-Bildungsgutscheins (pro Monat, nicht täglich!) für sein Kind zu kommen.


Zuschauen. Entspannen. Nachdenken.


Wer nicht von befristeten Arbeitsverhältnissen betroffen ist, kann in Ruhe weiter zuschauen, entspannen und nachdenken. Wehe aber, es trifft einen selbst. Die befristeten „Arbeitsverträge“ unserer gewählten Politiker sehen ein stattliches und somit staatliches Übergangsgeld vor, sollten sie bei Wahlen ihr Mandat verfehlen. Die Rückkehr ins Berufsleben ist zu versüßen, denn man hat ja für zukunftweisende Gesetze gesorgt. Für sich selbst und nicht für die Mehrheit.


Was einst als Errungenschaft der sozialen Marktwirtschaft gefeiert wurde, dass man die tägliche Lohntüte gegen eine monatliche Überweisung auf sein Girokonto eintauschte und so zu einem sicheren Arbeitsplatz und zu sicherem Einkommen kam, wird nicht nur durch befristete Arbeitsverträge aufgeweicht. Auch das Dauerpraktikum, mäßig bezahlt oder unbezahlt, verkauft als „Job-Qualifying“ in den Lebensläufen, verändert die Arbeitswelt.


Wer Leiharbeit bejaht, sollte selbst mit gutem Beispiel vorangehen.


Der Gipfel jedoch ist die Leiharbeit. Man kann hier auf die Idee kommen, die Sklaverei ist immer noch nicht angeschafft. Mit Dumpinglöhnen, von denen niemand leben kann, werden Menschen in Arbeit gezwungen. Die Politik rettet sich in eine Debatte um Mindestlöhne während gleichzeitig 1,5 Milliarden Euro an Steuergeld für "Hartz-IV-Aufstocker" ausgegeben wird.

 

Wenn es eine Mehrheit in der Bevölkerung gäbe, die einen Mindestlohn akzeptieren würde, so stellt sich doch die Frage: „Bist DU nicht mehr wert, als ein Mindestlohn?“


Nicht in der aktuellen Politik und ihrer Flickschusterei liegen die Lösungen für einen Wohlstand durch Arbeit, sondern in einer umfassenden und neuen Gesellschaftsordnung. Mehr in den Positionspapieren: Alterssicherung, Erwerbsarmut und Mindestlohn, Mittelstand und Mittelschicht sowie auf der Webseite unter: Wichtige Ziele.