Israel. Eine Reise ins Heilige Land.

Robert Schmidtke

Wenn Menschen glauben, dann entspringt jeder Glaube aus dem Herzen.

Ich war auf meiner Israelreise in Masada, in Yad Vashem, einem Ort gegen das Vergessen des Holocausts; in Jerusalem – dort in vielen Museen sowie in der Altstadt dieser sagenhaften Metropole – der heiligen Stadt. Die Gespräche mit den Menschen geben Hoffnung auf einen dauerhaften und langen Frieden in der Region, denn erst die Menschen schließen Frieden unter- und miteinander und nur so kann die Politik folgen.


Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine Stadt wie Jerusalem.


Hier treffen sich auf einem knappen Quadratkilometer in der historischen Altstadt drei Weltreligionen. Drei monotheistische Glaubensrichtungen, die alle drei in dem Glauben an einen Gott selbst vereint sind, so unterschiedlich dies alles sein mag. Und so leben heute auch in der Altstadt Jerusalems die Menschen friedlich miteinander.


Das war nicht immer so, sollte aber für immer so bleiben. Das wünscht sich jeder Besucher, jeder Tourist, jeder Neugierige und auch der kulturell und geschichtlich versierte Kenner der 3000 Jahre alten Stadt. Und, ich denke, es wünscht sich auch jeder Bewohner, dass es so bleiben möge wie es ist und dass jeder neue Tag noch ein klein wenig besser werden könne. Mein Sohn fragte unseren Taxifahrer, ob er Muslim sei: „Ja, ich bete fünfmal am Tag, aber
wir sind doch alle nur Menschen und wissen nicht, was nach unserem Tod kommt. Ich lebe heute und heute will ich mit allen hier gut auskommen. Und vor allem auch Spaß haben mit den Leuten und lachen.“


Die Geschichte der Region ist eine lange Geschichte. Und manche Geschichten graben sich tiefer ein in das Bewusstsein der Menschen. Wie ein Fluss, der sich in die Landschaft eingräbt und einen Canyon erschafft. Masada, am Toten Meer gelegen, ist ein 2000 Jahre alter Canyon, der sich in das Gedächtnis der Menschen in Israel gegraben hat. Masada war eine Stadt auf einem Felsen
und in ihrer Geschichte finden sich alle Facetten menschlichen Daseins: Aufstand gegen die Besatzungsmacht Rom. Befreiung und Besetzung der Felsenstadt Masada durch die Sikarier. Belagerung durch die Römer. Flucht vor Sklaverei in den Freitod vor der Übermacht Roms. Krieger, Helden, Märtyrer. Die persönliche Freiheit als höchstes Gut menschlichenHandelns.


Jedes Schwert hat jedoch zwei Seiten. Die Seite, die dem Licht zugewandt ist und die dunkle Seite, die sich im Schatten hält. Die dunkle Seite lässt viel Raum für Interpretation. Nach dem einige auserwählt wurden, zuerst die Kinder und Frauen zu töten, dann die übrigen Männer und sich selbst, fanden die Römer in der Festung Masada neben 960 Leichen auch zwei Frauen und fünf Kinder, die überlebt hatten und davon berichten konnten.


Masada darf sich nicht mehr wiederholen. Das ist eine Motivation Israels. Und der Holocaust darf sich nicht mehr wiederholen.


In Yad Vashem, der Gedenkstätte für Holocaust und Heldentum, bleiben die NS-Verbrechen wach. Gegen ein Vergessen. Als Mahnung und Warnung. Was mit Worten nicht zu sagen ist, sagt hier die Sprache der Form, die Architektur. Am Ende des langen und langsam ansteigenden geraden Weges im Innern des Museums, an dem rechts und links die Stationen des Naziterrors dokumentiert sind, geht der Besucher aus der Dunkelheit ans Licht, steht erhöht auf einem Balkon und sein Blick geht ins Freie. Er sieht nur das vor ihm liegende grüne Tal und die ansteigenden Hügel. Und die Natur wirft ihm seinen Blick zurück.


Hier ist das Gedenken an die Vergangenheit. Und die Gestaltung der Zukunft. Hier ist die Erinnerung. Und hier beginnt der Frieden.


Nun ist die Zeit der großen Reiche, der Kaiser und Alleinherrscher, längst vorüber. Die letzten Dynastien und Diktaturen neigen sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts vor dem Selbstverständnis eines aufgeklärten Menschen. Freiheit, auch und besonders die persönliche, will gelebt werden, will gelebt sein. Freiheit im Handeln braucht Freiheit im Geist.


In Jerusalem ist dieser Geist zu spüren.


Seit gut drei Jahren besteht die Nachbarschaftsliga, die zunächst unter der Schirmherrschaft des Jerusalemer Fußballclub Hapoel Katamon stand. Die Liga ist ein soziales Projekt, das der Fußballclub ins Leben gerufen hat. Es verbindet Sport mit Erziehung für die jüdische und die arabische Bevölkerung Jerusalems. Kindern aus benachteiligten Stadtteilen bietet es einen geordneten Rahmen und verspricht sportliche und schulische Erfolgserlebnisse. Über 300 Kinder der fünften und sechsten Klasse nahmen pro Schuljahr an der Initiative teil, in jeweils 12 Mannschaften für Mädchen und Jungen. Während der sieben Monate
andauernden Saison, trainieren sie zweimal wöchentlich mit professionellen Trainern Fußball. Einmal im Monat findet ein Turnier statt, bei dem die Mannschaften gegeneinander antreten. Die Siegermannschaften (eine aus der Jungenliga und eine aus der Mädchenliga) werden allmonatlich mit einem Pokal ausgezeichnet. Für die Jugendlichen ist dieses Ereignis der eigentliche Anreiz, an dem für sie zweijährigen Nachbarschaftsliga-Programm teilzunehmen. Doch dient der Fußball bei diesem Projekt auch als Mittel zum Zweck, um schulische Leistungen und soziale Kompetenz der TeilnehmerInnen anzukurbeln.


„Wie wäre es, wenn die Regensburger Fußballkinder zur Fertigstellung des neuen Jahnstadions, ein Eröffnungsturnier veranstalten und das beste Mädchen- und Jungenteam der Jerusalemer Nachbarschaftsliga nach Regensburg einladen“, fragte ich Alan Freeman, den Vizepräsidenten der Jerusalem Foundation, der spontan sein Herz sprechen ließ: „Das wäre das Beste für die Kinder, was passieren kann. Und wenn noch ein gemeinsamer
Besuch eines FC Bayern Spiels drin wäre, dann kennt das Glück keine Grenzen.“
Alle Kinder dieser Welt sind unsere Hoffnung darauf, dass sich das demokratische Prinzip weiterentwickelt hin zu einem kooperativen Handeln und an die Stelle von Toleranz die Anerkennung des Gegenübers in seinem Sein tritt.


Dies kann unsere Zukunft sein. Überall auf der Welt. Könnten wir nur alle - wieder - für einen Tag nur mit dem Blick unserer Kinder in die Welt sehen. Unsere Welt würde sich verändern. Sofort. Und für immer.