China. Der Wirtschaftspartner Deutschlands.

Roland Raab

China ist Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner außerhalb der EU. Während die USA und vor allem Südeuropa in einer Rezession stecken, laufen die Geschäfte in und mit China immer noch prächtig. Am meisten profitieren die Deutsche Autoindustrie und die Hersteller von Investitionsgütern wie dem Sondermaschinenbau. China ist Exportweltmeister und Deutschland ist Vizemeister. Deutschland liefert die Maschinen mit denen China die Konsumgüter für die ganze Welt produziert. Ohne China würde die allgemeine Wirtschaftskrise in Europa auch Deutschland anstecken.

Man könnte meinen, dies seinen rosige Aussichten aber es ziehen langsam Wolken am Horizont auf. Das Wirtschaftswachstum in China „schwächelt“ schon seit einiger Zeit, und man kann nicht sagen, ob die Zahlen wirklich stimmen oder geschönt sind.

Da die Deutsche Wirtschaft mit dem Schicksal Chinas so eng verwoben ist, lohnt es sich die politische und soziale Situation in diesem Land mal genauer zu betrachten.

Wie im Rest der Welt vergrößert sich der Abstand zwischen Arm und Reich. Gewinner sind die, die durch gute Kontakte gute Geschäfte machen und die hohen Beamten die Zuwendungen von ihren Geschäftspartnern bekommen. Das Chinesische Wort dafür ist „GuanXi“ – Beziehungen.

Im deutschen Verständnis sind das mehr als nur Beziehungen. Wir würden es Korruption nennen. Diese Korruption ist allgegenwärtig, obwohl sie in China illegal ist. Sie sorgt dafür, dass geltende Bestimmungen und Recht nicht umgesetzt werden und Gewinne maximiert werden können. Das ist zum Nachteil der Bürger und der Umwelt. Der Arbeitnehmerschutz wird ausgehebelt, Flüsse werden mit Giftmüll verseucht, Fabriken blasen Dreck in die Luft, Lebensmittel sind voll mit giftigen Chemikalien. Diese Liste könnte beliebig fortgesetzt werden. Bei den Bürgern wächst die Unzufriedenheit, weil sie Angst um ihre Gesundheit haben und neidisch auf die Reichen schauen. Die Reichen kaufen ihre Lebensmittel im Ausland, und wer kann schickt seine Familie nach Australien oder Canada. Viele Beamte in Lokalregierungen sammeln Millionen von Bestechungsgeldern oder veruntreuten Steuern und schaffen das Geld ins Ausland. Sie haben in China nichts, was sie bindet. Sobald sie entdeckt werden flüchten sie ins Ausland zu ihrer Familie. Die Chinesen nennen diese Beamten „LuoGuan“ - nackte Kader.

Der Zentralregierung in Beijing ist das alles bewusst und sie versucht diese Entwicklung aufzuhalten. Der neue Generalsekretär Xi Jinping sagte der Korruption in seinem Land schon den Kampf an. Aber wird er siegen?
Der Deutsche hat ein Unrechtsbewusstsein. Deshalb findet Korruption in Deutschland immer im Verborgenen statt. Chinesen sehen an „GuanXi“ nichts Schlechtes. Der schlaue Geschäftsmann hat Beziehungen, der dumme Verlierer hat keine. Und anstatt die Missstände anzuprangern, verwendet man lieber seine Energie darauf, um selbst eine gute Position zu bekommen. Man muss sich nur anstrengen und darf die Hoffnung nicht verlieren. In den vergangenen Kaiserdynastien wurden die Beamten schlecht bezahlt. Sie hatten aber das Recht, ihre Position gegenüber der normalen Bevölkerung für ihren persönlichen Profit auszunutzen. Selbst Willkür war an der Tagesordnung. Man kann sogar sagen, dass Korruption in China eine Jahrtausend alte Tradition ist und zur Chinesischen Kultur gehört.