Außenpolitik für das 21. Jahrhundert

Robert Schmidtke

1930 blitzte in einem Lied in der Filmoperette „Die drei von der Tankstelle“ das echte deutsche Wesen auf. „Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt …“, sangen Willy Fritsch, Oskar Karlweis und Heinz Rühmann.

Die Welt sähe heute anders aus, wenn die wirtschaftlichen Voraussetzungen Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts besser gewesen wären. Der Welt wäre nicht nur ein Vernichtungskampf erspart geblieben, sondern Deutschland hätte nicht weitere 75 Jahre warten müssen, bis es bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 endlich wieder geheißen hat: Willkommen bei Freuden.

 

Freundschaft. Das ist das stabilste Band in einer Beziehung. In einer echten Freundschaft fehlen Verrat und Lüge. Echte Freunde sagen sich die Wahrheit, auch wenn sie manchmal schmerzhaft sein kann. Ein echter Freund hilft immer, ganz gleich, in welcher Situation sich der andere gerade befindet.

 

Deutsche Außenpolitik im 21. Jahrhundert kann folglich nur heißen: Wir alle sind
aufgefordert, unsere Freundschaft zu den Menschen zu tragen. Deutsche Außenpolitik ist somit echte Friedenspolitik. Die deutsch-französische Freundschaft ist ein Meisterstück der Geschichte. Ohne sie wäre Europa heute nicht geeint. Sehen wir die deutsch-französische Verbundenheit als Vorbild für unseren außenpolitischen Weg.

 

Jedoch sind es zwei Dinge, die eine neue deutsche Außenpolitik der Freundschaft unter den Völkern, in Gefahr bringen können. Die aktuelle Politik der Bundesregierung in der Eurokrise und das zögerlich zaudernde Hin und Her des Auswärtigen Amtes in den Fragen zu Libyen und jetzt Syrien.

 

Handelte ein Otto von Bismarck durch seine Erweiterungspolitik und Einigungspolitik zu einem Deutschen Kaiserreich noch nach den alten Formeln: Erstens ist Politik immer Außenpolitik und zweitens ist Außenpolitik, die alle Karten auf den Tisch legt, Selbstmord. Zeitgemäße Außenpolitik von heute kennt neue Regeln. Richtig ist, dass Politik auch immer Außenpolitik ist, aber an der zweiten Stelle steht etwas Neues. Um Konflikte vor dem Aufkeimen zu bewahren ist moderne Außenpolitik immer Vorsorgepolitik. Hier gilt es ein
Angebot der Freundschaft in die Welt zu senden. Frühzeitig, klar und dauerhaft. Dies gilt auch für Nord-Korea und den Iran. Damit die Welt in naher Zukunft den Frieden leben kann, an dem alle so unermüdlich versuchen zu arbeiten, darf es nicht bei einer allgemeinen Gesprächsbereitschaft bleiben. Wir müssen die Hand reichen, damit der andere die Chance erhält, sie zu ergreifen. Das ist nicht nur kluge Außenpolitik, sondern die klügere Variante.

 

Diktatoren und andere Regime mit Wirtschaftsblockaden zum Einlenken zu zwingen ist und bleibt der falsche Weg. Wer Druck ausübt, wird Druck ernten. Wer Freundschaft säht, wird Freundschaft ernten. Eine politische Freundschaft entsteht nicht in erster Linie durch Regierungspolitik, sondern durch Reisepolitik. Wir alle sind angehalten, nicht nur als Weltmeister im Tourismus die Welt zu bereisen, sondern durch ein gezieltes Bildungswissen unser Interesse an der ganzen Welt zu bekunden.

 

Wissen eignet sich der Mensch nur durch zwei Dinge an: Fachwissen und Bildungswissen, wobei Bildungswissen bedeutet: Lesen, Reden und Reisen. Mehr Wissensvermittlung ist nicht möglich. Das ist die Aufgabe moderner Außenpolitik im Inland. Mag es noch so seltsam klingen, Außenpolitik beginnt immer im Innern eines Landes und den Kern neuer deutscher Außenpolitik muss die Freundschaft sein, die wir alle in uns tragen, und der Welt auch zeigen müssen.

 

Lassen Sie uns ruhig in modernen Definitionen denken. Das Marketing spricht von einem Markenkern und die Finanz- und Wirtschaftswissenschaften von Benchmark und Asset. Unser außenpolitsicher Markenkern muss die Freundschaft werden, die wir anzubieten haben. Wir müssen sie nutzen und zeigen, damit wir uns vergleichbar machen können mit der Welt. Zuneigung, Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung ist unser eigentliches
Vermögen, unser eigentlicher Reichtum, und der ist und bleibt in der Freundschaft zu erkennen und zu finden.

 

Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg, erkannte Gandhi. Wie weit wir mit unserem Frieden gekommen sind, zeigen uns die vielen Konflikte in der Welt. Vielleicht muss es doch einen Weg zum Frieden geben und auf dem Weg der Freundschaft ist er auch erkennbar.